Zur Freiheit berufen

“Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.” (Genesis 1,27) – Die Demokratie hat sich erst in der Neuzeit durchgesetzt. Aus der Antike kennen wir die demokratische griechische Polis, die allerdings die Sklaven ausschloss. Weniger bekannt ist der obige Bibelvers als demokratisches Manifest. Er stammt aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert, als die Juden im Exil in Babylonien weilten. Dort gab es nur ein Ebenbild Gottes: Den König. Seine Autorität reichte bis in die Schöpfung zurück. Ebenbild heisst eigentlich Statue. Königsstatuen waren überall aufgestellt, um die Allmacht des Herrschers zur Schau zu stellen. Die Israeliten ihrerseits hatten ihr Königtum verloren. An seine Stelle als Gottes Ebenbild traten nun gleichwertig Mann und Frau – ein äusserst subversives Konzept. Im Gegensatz zur despotischen Monarchie sind aus biblischer Sicht alle Menschen gleichwertig und zur Machtausübung befähigt.
Weshalb hat denn die Demokratie bloss 0,25 Prozent der Geschichte des Homo sapiens geprägt? Von oben betrachtet ist die Erklärung einfach: Ein tyrannischer Trottel, der andere Menschen herabsetzt und umbringen lässt, findet sich immer. Aber weshalb lassen die Menschen das zu? Die Mehrheit neigt offenbar dazu, die Obrigkeit mit Gott zu verwechseln und sich ihr auszuliefern. Demokratien haben deshalb eine kurze Lebenserwartung. Anzeichen für eine kommende Despotie sind die lohnmässige Begünstigung des Staatspersonals, die Übergriffe des Staates gegen die Wirtschaft, der herablassende Ton von Regierungsmitgliedern, die Gefälligkeitsberichte der Staatsmedien, die Zuständigkeit des Staates für private Güter wie Gesundheit, die überhöhte Steuerquote. Dann sind biblisch-subversive Vorstösse zugunsten der Menschenwürde und der Freiheit fällig.

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