Aufstrahlen

Denn sieh, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendunkel die Völker, über dir aber wird der Herr aufstrahlen, und seine Herrlichkeit wird erscheinen über dir. (Jesaja 60,2) – In normalen Zeiten erschien es mir oft als gekünstelt, zur Predigtgemeinde von der Finsternis der Erde zu sprechen. Wir lebten – und leben weithin immer noch – in prächtigen Verhältnissen. Vor ein paar Wochen ist nun schlagartig deutlich geworden, was die Finsternis bedeuten kann. Trotz der sonnigen Märztage war nicht die Zeit der geselligen Ausflüge. Die Welt erscheint als verdunkelt, weil die Zukunft ungewiss ist. Gegen das Virus müssen wir immun werden, entweder durch zahlreiche Ansteckungen oder durch einen Impfstoff. Vor dem einen schrecken wir zurück, und das andere kann dauern. Mach dich auf, werde licht! hatte der Profet den Juden zugerufen, als sie aus dem Exil in das trostlose Jerusalem zurückkehrten (V.1). Im Blickfeld ist die Erscheinung des ewigen Lichtes, von dem Mond und Sterne nur ein Abglanz sind. Auch das Licht der Vernunft, durch das die Fachleute vielleicht einen Impfstoff zustande bringen, speist sich aus dem ewigen Licht der Wahrheit.
Wie sehr wir das Licht lieben, zeigen die Shows und die Ladengeschäfte. Aber manche Lichter blenden auch. Das Blendwerk ist unsere Stärke. Es hat mit der Finsternis gemeinsam, dass es uns für das Wesentliche blind macht. Indessen sollen unsere Gedanken, Worte und Werke Reflexionen des ewigen Lichtes sein. Dieses führt von den Irrtümern zur Wahrheit, klärt das Verworrene auf und offenbart das Verborgene. Zugleich ist es Offenheit und Aufgeschlossenheit. Wenn Politik zur Kunst der Verschleierung wird, dann zieht ein weiteres Wolkendunkel herauf. Licht bewirkt das Gegenteil: Es schliesst auf. Nicht nur Blütenknospen, auch menschliche Herzen. Nach der Finsternis des Karfreitags bringt Ostern die Funken der Liebe herbei und Gott gibt sich zu erkennen. Gotteserkenntnis ist eine leidenschaftliche Erkenntnis. Denn wer Gott erkennt, der macht Bekannschaft mit der Liebe.

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