Im Garten

Dann pflanzte der HERR, Gott, einen Garten in Eden im Osten, und dort hinein setzte er den Menschen, den er gebildet hatte. (Genesis 2,8) – Soeben erleben wir ein paar Tage das, was der Volksmund wüstes Wetter nennt. Erinnere ich mich an die Hitzesommer der letzten Jahre, bin ich darüber erleichtert. Bliebe das wüste Wetter völlig aus, würde das Land zur Wüste. Auf Regenspaziergängen durch Gartenquartiere kommt es mir vor, als tröffen die Bäume, Büsche, Blumen und Beeren nicht nur von Wasser, sondern auch von Leben und Freude. Nichts gegen schöne Naturlandschaften, aber die Gestaltung durch Menschenhand macht den Anblick noch prächtiger. Die Pracht wächst dank Regen und Sonne, und eben durch die harte Arbeit der Menschen. Nach der Schöpfungsgeschichte sollten Adam und Eva ja den Garten Eden bebauen und bewahren. Gartenarbeit stärkt das seelische und körperliche Wohlbefinden bis hin zur Therapie. Aber sie hat ihre Grenzen. Das hebräische Wort für Garten (Gan) bezeichnet einen begrenzten Bereich, der durch eine Trockenmauer, einen Wall oder eine Hecke geschützt ist. Oft wird er aufwändig bewässert. Der primäre Zweck war der Anbau von Gemüse und Obst – und von Blumen, wenn die Kapazität reichte.
Gartenarbeit ist ein Krampf, aber Gartenspaziergänge und -besichtigungen vermitteln eine Ahnung vom Garten Eden, vom Paradies. Der persische Ausdruck meint ebenfalls einen umzäunten Bereich. Das Paradies ist ein vielfältig grüner und bunter Garten, wo man sich der Schönheit, des Friedens und der Sicherheit erfreut. Das deutsche Wort Garten ist dem lateinischen Hortus verwandt und meint das gleiche. Von meinem Pult aus seh ich einen offensichtlich gut geführten Kinderhort mit einem eingezäunten Spielgarten. «Hort» und «Kindergarten» versprechen, dass die Kinder dort ein Stück Paradies schnuppern sollen. Und nebenan haben ein paar Eritreer einen verwahrlosten Umschwung in einen Gemüsegarten verwandelt. Freuen Sie sich über Ihren eigenen und über fremde Gärten! Sie sind Fenster zum Paradies.

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