Weltbilder

Der Herr hat den Mond gemacht zur Bestimmung der Zeiten, die Sonne, die ihren Untergang weiss. (Psalm 104,19) – An die Fernsehnacht anlässlich der ersten Mondlandung vor 50 Jahren erinnere ich mich gut. Meine Bewunderung galt dem Mut der Astronauten, der Technik und der Organisation. Als Radioelektriker-Lehrling wusste ich, wie wie Radio, Fernsehen und Übertragungen funktionieren. Die Kommunikation über 350.000 Kilometer erschien mir als Quantensprung. Was nicht aufkommen wollte, war Begeisterung. Das verstand ich erst etwas später, als ich bei Dürrenmatt las: «Jeder Fluchtversuch ist eine Utopie. Am 20. Juli 1969 bin ich wieder Ptolemäer geworden.» Der Agnostiker Dürrenmatt war wegen der Mondlandung zum biblischen Weltbild zurückgekehrt. Warum?
Die Mondlandung war ein bewundernswerter Schritt – in die falsche Richtung. Es gibt kein Leben ausserhalb der Erde, weder irdisches noch fremdes. Der Mond stabilisiert die Erdachse und erweist sich darin als blosser Funktionär unseres Lebensraums. Die Mondreise hat bei mehreren Astronauten tiefe Irritationen hinterlassen, die sich als Depressionen, Suchtsyndrome und familiäre Zusammenbrüche Luft machten. Einzelne wurden religiös, was nahe liegt. Reicht der Erfahrungsraum bis zum Mond, drängt er weiter – bis zu Gott.
Die fiktive Aussensicht unseres Planeten prägt weiterhin das Weltbild vieler Menschen. Augenfällig ist das bei den TV-Informationssendungen, egal ob Tagesschau, Téléjournal, Telegiornale oder Novosti. Mit einem Globus wird dem Zuschauer suggeriert, die ganze Welt sei im Blickfeld. Beim ZDF drehen sich mehrere durchsichtige Globusse nebeneinander, dann erscheint wie vom Himmel herab z.B. Petra Gerster, um uns den Kosmos zu erklären. Sie sieht 30 Jahre jünger aus als sie ist, vermutlich weil sie Kosmos mit Kosmetik verwechselt und damit ungewollt den wirklichen Horizont absteckt. Auf dem Mond waren zwölf Menschen, die biblische Zahl der Vollständigkeit. Das genügt. Hienieden gibt es genug zu entdecken und zu tun.

Weltwoche 32/2019

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