Demokratie

Unterzieht euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung, sei es dem Kaiser als der obersten Autorität, sei es den Statthaltern als den Autoritäten, die von ihm ermächtigt sind, die Übeltäter zu bestrafen, die Wohltäter aber zu belohnen. (1. Petrus 2,13f) Die christliche Auffassung des Zusammenlebens lehnt sich an die Erkenntnis, dass es eine Instanz braucht, die das zerstörerische Potential der Menschen in Schranken hält. Dazu kann der Vorstand oder Ausschuss eines kleinen Gemeinwesens genügen. Er benötigt Glaubwürdigkeit und Akzeptanz. Das Ziel ist der innere und äussere Frieden, damit sich jeder Einzelne frei entfalten kann. Eine Gleichsetzung der politischen mit der göttlichen Ordnung lehnt die Bibel ab. Das gilt auch für die Demokratie, obschon sie dem Christentum wegen der Wertschätzung des Einzelnen nahe steht. Sie ist eine optimale Staatsform, erfordert jedoch viel Disziplin und ist anfällig auf Fehlverhalten. Das zeigt schon die altgriechische Polis. Arbeitslose Proletarier lebten dichtgedrängt beisammen, nachdem sie ihre ländliche Lebensgrundlage wegen der Masseneinfuhr von Sklaven und Getreide aus Südrussland verloren hatten. Ihre Unzufriedenheit musste der Staat mit Sozialpolitik entschärfen. Die Armen beschlossen auf Kosten der «Reichen» höhere Steuern. Zunehmend nutzten die Bürger den Staat als ihre persönliche Milchkuh, bis rund ein Drittel der Bevölkerung von ihm lebte. Disziplin und Gemeinsinn gingen an den Einzelinteressen zugrunde, und schliesslich wurden die maroden Polis-Staaten 338 v. Chr. in der Schlacht von Chäronea zur leichten Beute des militärisch-monarchischen Mazedonien. Die Demokratie ist eine optimale Staatsform mit tiefer Lebenserwartung. Von den 200.000 Jahren Geschichte des homo sapiens sapiens sind es bloß 400 bis 500 Jahre, in denen lokale Demokratien geherrscht haben. Das macht 0,25 Prozent der Menschheitsgeschichte aus. Manches deutet darauf hin, dass auch einige moderne Demokratien ihrem Verfalldatum näher rücken.
Weltwoche 14/2019

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