Schall und Rauch

Am dritten Tag aber, als es Morgen wurde, begann es zu donnern und zu blitzen, … und es ertönte mächtiger Hörnerschall. … Da führte Mose das Volk aus dem Lager hinaus … und sie stellten sich auf am Fuss des Berges. Der Berg Sinai aber war ganz in Rauch gehüllt, weil der HERR im Feuer auf ihn herabgestiegen war. (Exodus 19,16-18) – Schall und Rauch begleitete die Begegnung am Berg Sinai, als Gott dem Mose die Zehn Gebote übergab. Die Gebote bestanden aus Worten, was etwas langweilig war. Affen würden einem solchen steinernen Schriftstück keine Aufmerksamkeit schenken, doch für Blitz, Donner, Schall und Rauch wären sie empfänglich. Auch wir Menschen verfügen über äffische Veranlagungen. Lockert nun Gott seine Offenbarung mit solchen Showelementen auf, so ist das ein freundliches Zugeständnis an die menschliche Sensationslust. Gott liebt auch den Affen in mir.
Nicht vergessen: Es handelt sich nur um eine Zugabe. Gottes Gebote sind nämlich derart vortrefflich und klug, dass sie weder Blitz und Donner noch Schall und Rauch benötigen. Aber der Herr wusste, das seinem Publikum, das mit offenen Mäulern am Berg stand, so ein physikalisches Feuerwerk mehr Respekt einflösst als blosse Worte. Diese Erkenntnis haben sich seit Urzeiten Künstler, Schriftsteller, Redner, Prediger und Journalisten zu eigen gemacht. Die Botschaft selbst ist oft trocken und braucht etwas Würze. Im Zeitalter von Film, Fernsehen und Internet ist die Aufbereitung der Beigaben derart famos geworden, dass der Inhalt oft auf der Strecke bleibt. Bei Superthemen wie Klima und Corona geben sich Schall und Rauch gerne selber als Botschaft aus. Deshalb mein biblischer Rat: Überwürzen Sie Ihre Mitteilungen nicht. Und versuchen Sie als Empfänger, zwischen der Botschaft und dem Schall und Rauch zu unterscheiden.
Weltwoche 45/2021

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