Ungereimtheiten im Altersheim Sunnehof in Immensee

Dieser Text wurde Anfang Januar von der Redaktion Freier Schweizer abgelehnt, weil er zu lang sei.

Als Stimmbürger und Steuerzahler verfolge ich die Entwicklung des Alters- und Pflegeheims Sunnehof in Immensee nur nebenbei. Dennoch sind mir einige Ungereimtheiten aufgefallen, von denen mir scheint, dass sie auf den Tisch gehören. Letztes Jahr wurde der Leiter Gerhard Ineichen von seinem Posten entfernt. Seine Nachfolgerin Beatrice Mathys wurde als interimistische Nachfolgerin in der Lokalpresse gelobt und bald darauf definitiv angestellt.

Der Sunnehof leidet darunter, dass die Auslastung zu tief ist. Bekanntlich wurde das Haus vor sechs Jahren stark erweitert. Schon vor der Erweiterung gab es im Sunnehof auswärtige Bewohner, wie ich als Pfarrer feststellen konnte. Kurz zuvor wurde auch das Alters- und Pflegeheim Seematt in Küssnacht um sechzehn Zimmer aufgestockt. Der Bezirk Küssnacht hat somit die Kapazität der beiden Alters- und Pflegeheime innert weniger Jahre um 50 Plätze erhöht. Meine Erkundigungen beim Gesundheitsökonomen Werner Widmer haben ergeben, dass die Belegung idealerweise bei 95% liegen sollte. Unter 90% Belegung sind Defizite kaum zu vermeiden. Es sei wie bei einer Fluggesellschaft: Die Kosten eines Flugs sind praktisch gleich hoch, ob nur drei Viertel oder alle Plätze besetzt sind. Die Vergrösserung vieler Pflegeheime erfolgte in der Annahme, dass die Nachfrage wächst. Manche Behörden, so Widmer, haben jedoch eine andere gesellschaftliche Entwicklung zu wenig beachtet: Die De-Institutionalisierung. Die Bevölkerung zieht Lösungen im gewohnten Lebensbereich einem Umzug ins Heim vor. Dieser Trend zeigt sich seit über 10 Jahren am Wachstum der Spitex sowie am Stagnieren der Pflegeheime und wurde durch Corona noch verstärkt. Heute bestehen Überkapazitäten. Ob für die beiden Alterszentren Seematt und Sunnehof überhaupt ein Gesamtkonzept existiert, ist mir nicht bekannt.

Für das Bauprojekt im Sunnehof hat die Kommission einen Architektenwettbewerb durchgeführt. Einige Projekte verfolgten die Absicht, möglichst viele Zimmer mit Aussicht auf den See und die Berge zu erstellen. Die Altersheim-Kommission entschied sich gegen den Antrag der Architekten-Jury und wählte ein anderes Projekt. Sie mag dafür ihre Gründe gehabt haben. Tatsache ist jedoch, dass die Aussicht aus den Zimmern mehrheitlich nicht auf den See, sondern auf eine Wiese (und gegen die Autobahn und Eisenbahn) gerichtet ist. Diese Qualität dürfte die Auslastung des Alters- und Pflegeheims Sunnehof nicht gerade erleichtern. Die Baukosten pro Bett waren dennoch verhältnismässig hoch, was aber im Vergleich zu den Gesamtkosten pro Platz kaum ins Gewicht fällt. Und je volatiler die Bewohnerzahl ist, desto flexibler muss die Leitung die Personaleinsätze gestalten. Das wagen nicht alle Heimleiter, weil es unpopulär sei kann.

Wird ein neuer Leiter oder eine neue Leiterin reichlich mit Vorschusslorbeeren bedacht, so kann das ein Hinweis sein darauf, dass es für den Rausschmiss des Vorgängers zu wenig gute Gründe gab. Ihre Leitungsfunktion in einem Heim in Schaffhausen übte Frau Mathys bloss zwei Jahre aus. Als sie die Stelle verliess, hängte der Haussegen schief. Selbstverständlich soll sie eine neue Chance bekommen. Aber wenn der Sunnehof wegen der Grösse tatsächlich ein strukturelles Problem hat, reichen Leiterwechsel und Duchhalteparolen nicht aus. Es wäre tragisch, würde das Alterszentrum dem nächsten Leiterwechsel entgegenschlittern. Deshalb betrachte ich es als dringende Aufgabe der Aufsichtskommission, den Bedarf und die Auslastungschancen für die kommenden Jahre realistisch abzuschätzen. Vielleicht ist es nötig, einen Teil der Zimmer einer anderen Nutzung zuzuführen, damit nicht jedes Jahr ein hohes Defizit hängen bleibt.

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