Und Lea wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sprach: Nun endlich wird mein Mann mir anhänglich sein, denn ich habe ihm drei Söhne geboren. (Genesis 29,34) – Der Erzvater Isaak schickte seinen Sohn Jakob auf Brautschau nach Osten, damit er keine Kanaaniterin heirate. Dort stiess er zufällig auf seine Cousine Rahel und verliebte sich in sie. Als Brautpreis vereinbarte er mit ihrem Vater Laban sieben Jahre Arbeit. Als sie um waren, gab ihm Laban anstatt Rahel deren ältere Schwester Lea zur Frau. Das gurkte Jakob an, denn er war ja in Rahel verknallt. Um sie auch noch zu bekommen, musste er weitere sieben Jahre dienen. Immerhin gab Laban sie ihm unverzüglich als Vorschuss. Lea gebar vier Söhne, aber Rahel war unfruchtbar. Hier bricht ein grosses Thema auf: Über Jahrtausende war die Zwangsehe weit verbreitet, bis die Liebesehe in der modernen Gesellschaft um sich griff. Welch segensreiche Befreiung! Die englische Dichterin Jane Austen widmete sich diesem Thema in feinsinnigen Schilderungen. Guy de Maupassant beschreibt die Hochzeitsnacht einer arrangierten Ehe als Vergewaltigung. Auch Theodor Fontane zeigt in mehreren Romanen die Krise der Ehe, ohne aber grundsätzlich an ihr zu rütteln.
Segensreiche Befreiung? Mit der freien Partnerwahl und dem Wohlstand explodierten die Scheidungszahlen. Gleichzeitig schrumpften die Geburtenziffern. Jakob zeugte insgesamt sechs Söhne mit der ungeliebten Lea und dann vier Söhne mit zwei Mägden, was hoffentlich alles Spass machte. Erst mit quälender Verzögerung gebar Rahel doch noch Josef und Benjamin Erst mit quälender Verzögerung gebar Rahel doch noch Josef und später Benjamin, bei dessen Geburt sie starb. Die Zwangsehe ist nicht die Lösung. Die Liebesehe auch nicht. Offensichtlich sind gewisse Aufgaben nicht lösbar, aber trotzdem lebbar. Die Ehe ist die schlechteste Lebensform – mit Ausnahme aller anderen.
Weltwoche 3/2026